Night & Day – You Are The One!

(Now English version below – sorry for the delay, transmission problems!)

Position 2308N 07119W
1015 UTC (0615 Local Time)
Day 4 at sea

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Nach ueber einem Jahr wieder ein Blogpost, geschrieben auf hoher See. Unser Kurzwellenradio, ein spezielles Modem und eine Landstation in Panama machen’s moeglich. Weil die Datenmenge begrenzt ist, leider ohne Bilder. Das holen wir nach, sobald wir wieder Internetverbindung haben.

Es ist tief in der Nacht. Ein sternenklarer Himmel mit einigen dunklen Wolken am Horizont, die voraussichtlich kraeftige Windboen mit sich bringen. TRINITY pfluegt mit 7 bis 8 Knoten durch die meterhohen Wellen des tiefschwarzen Nordatlantiks. Die Turks & Caicos liegen 100 Meilen querab an Backbord. Und bis zu unserem Ziel auf den Bahamas sind es weitere ein bis zwei Tage. Da der Wind eher moderat mit 4 Beaufort weht und wir vor dem Wind laufen, haben wir unser Code Zero-Segel gehisst und ausgebaumt. Unser Bug haelt auf den Abendstern zu. Eine perfekte Navigationshilfe, wenn du nachts am Steuer stehst.

Die Naechte auf See sind ein ganz einzigartiges Erlebnis. Magisch. Weggebeamt. Wie ein anderes Universum. Es ist mit nichts zu vergleichen. Du bist hier draussen allein auf deiner kleinen, schwimmenden Insel. Kein Schiff weit und breit. Keine Menschenseele. Drumherum der unendliche Ozean. Ueber dir eine wild funkelnde Sternenorgie. Und unter dir der kilometertiefe Salzwasserpool voller geheimnisvoller Lebewesen. Beim Vorbeirauschen des Wassers an der Bordwand siehst du leuchtend gruenes Plankton in der Gischt. Zum Teil sieht es so aus, als wuerden dich vorbeiziehende Augen aus der Tiefe beobachten. In diesen Naechten willst du nirgendwo anders sein. Es sind deine Naechte. Hier draussen gibt es keine Vorschriften, keinen Staat und keine Grenzen. Es ist Anarchie. Auch Zeit spielt hier keine Rolle. Du kannst sowieso nichts an den Umstaenden aendern. Warum sich darueber also unnoetig Gedanken machen. Du kommst an, wenn du ankommst. So einfach ist es. Und so frei und ungezwungen erlebst du diese verzauberten Naechte. Wenn dann gegen 0530 Uhr ein feiner oranger Streifen am Horizont im Osten auftaucht, kommt der kroenende Abschluss dieser Nacht: der ultimative Sonnenaufgang. Auch der ist auf See besonders. Er bedeutet Leben, Energie und Hoffnung.

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Vorbei an St. Croix, das wir im Dezember 2013 besucht hatten – seitdem waren wir nicht mehr so weit im Norden / Passing St. Croix, which we visited in December 2013 – since then we haven’t been up that far north until now

Letzten Mittwoch (8. April) gings los. Von der malerischen Grande Anse d’Arlet auf Martinique zu den Bahamas. Eine Strecke von knapp 1000 Seemeilen. Wir starten in die Nacht, damit wir die Spanish Virgin Islands, wo wir vielleicht noch stoppen wollen, bei Tageslicht anfahren koennen. Wir rechnen mit zweieinhalb Tagen. Weit gefehlt! Da der Wind mal wieder staerker ist als prognostiziert und unsere Planung wohl noch auf Island Time lief, sind wir deutlich schneller als berechnet. Wir erreichen die VIs bereits in der Nacht. Es ist dunkel, also gefaehrlich fuer die Einfahrt in ein schlecht befeuertes, unbekanntes Riff. Und da das Segeln bei Tag und Nacht wieder richtig Spass macht, der Wind nahezu perfekt ist und wir bereits seit einem Monat von Trinidad zu den Bahamas unterwegs sind, entschliessen wir uns – its about time! – weiter zu segeln.

Seit ueber einem Jahr sind wir nicht mehr laengere Strecken ueber mehrere Tage und Naechte gesegelt. Es ist immer wieder aufregend. Du weisst nie genau, was dich erwartet. Die Naechte sind lang, mit wenig Schlaf, das Wetter ist nicht verlaesslich und es geht gern auch mal was zu Bruch oder faellt aus. Die koerperliche und geistige Anstrengung einer solchen Nonstop-Fahrt ist nicht zu unterschaetzen. Speziell, wenn man zu zweit ist, alles selbst macht und sich die Naechte teilt.

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Regenbogen nach einem heftigen Squall + Endlich wieder Delfine!!! /
Rainbow after a heavy squall + Dolphins, again!!!

Wir kommen gut voran – zurueck im Nordatlantik mit seinem vertrauten Wellen-Rock’n Roll, der TRINITY voranschiebt und konstant von einer Seite auf die andere rollen laesst. Allerdings koennen wir unser eigentliches Ziel Mayaguana nicht anlegen, der Wind kommt aus Suedost. Ohne Kursaenderung wuerden wir irgendwo in Florida landen. Mal sehen, was der Morgen bringt: Entweder wir halsen gen Sueden, gen Mayaguana – oder schauen einfach, welche der vielen Bahamas-Inseln am naechsten liegt.

Carpe diem + noctem
R+K
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After a long time, this is the first message from far out at sea again. Our SSB radio, a special modem and a landstation in Panama enable us to feed our blog. No pictures this time because the amount of data is limited. We will supply a few once we’ll have internet connection again.

It’s deep at night. A clear blue sky full of stars with scattered clouds along the horizon, bringing strong gusts with them assumingly. TRINITY is plowing through the pitchblack Atlantic waves with 7 to 8 knots speed. The Turks&Caicos Islands are a 100 nautical miles to portside. It’ll be another one or two days to our destination Bahamas. Since the breeze is a moderate 4 beaufort and we’re running downwind, we’ve hoisted our Code Zero sail plus spinnaker pole. TRINITYs bow is pointing at the evening star. A great navigational aid for steering at night.

Nights at sea are a truely unique experience. Magical. Blown away. Like in another universe. Without comparison. You’re out here on your floating, forward-moving island. Without any other vessel in reach. Nor another human being. Surrounded by the endless ocean. Above you a wildly glittering starlit sky. Below you a mile-deep saltwater pool full of mysterious creatures. When watching the water flowing by the hull, you see glowing green plankton in the spray. It looks like there’d be eyes watching you from out of the deep. In those nights you wouldn’t want to be anywhere else, just here. Those nights belong to you. Out here, there are no rules or regulations, no state authority, no boundaries. It’s mere anarchy. Even time doesn’t count since you can’t change the circumstances. So don’t waste any time on thinking about that. You will get there when you get there – it’s just that simple. And that’s how you’re experiencing those enchanted nights. At 5:30 a.m., when a thin orange stripe lits up at the horizon, you’ll experience the crowning point of that night: the ultimate sunrise. Even a sunrise is different out at sea, it symbolizes live, energy, hope.

We set sails last Wednesday, April 8th, starting off from picturesque Grande Anse d’Arlet, Martinique, bound for the Bahamas far up in the north-west. Approximately 1000 nautical miles. We started at night to reach the Spanish Virgin Islands, a considered stop, at daytime. We calculated two-and-a-half days – but were proven wrong. Since the wind was blowing harder than predicted (as usually), we were much faster. We reached the VI at night, in the dark, not a perfect time for approaching an unfamiliar reef-surrounded archipelago. Since we’re enjoying sailing by day and night so much again, since the wind is fair and almost perfect and we started almost a month ago in Trinidad with destination Bahamas, we decided to sail on. It was about time!

For over a year, we haven’t sailed nonstop legs for several days. And even after three years sailing, it’s still always exciting: you never know what will await you. The nights are long and dark, the weather is unpredictable, hence unreliable, there might be gear breakage or failure of an important instrument. You never get enough sleep and if you try, it’s not very comfortable because of the steady boat movements. Last but not least, don’t underestimate the physical and mental efforts of a nonstop cruise. Especially when you’re double-handed and dividing the nightwatches by two.

So far we’ve made good progress, back in the North Atlantic with its familiar downwind Rock’n Roll, pushing TRINITY foward, letting her constantly roll from one side to the other. Only that we can’t target our destination Mayaguana due to the southeasterly wind. Without altering our course, we would end up somewhere in Florida. So let’s see what the morning will bring – either we’ll jibe towards Mayaguana or wait and see which of the many Bahamian islands might be in reach.

Seize the day + night
R+K

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5 Responses to Night & Day – You Are The One!

  1. Tina says:

    Ihr Lieben,

    es ist immer wieder wunderbar, von Euren Tagen und Nächten auf See zu lesen! Ihr wisst so plastisch und bildhaft zu schreiben, dass man fast das Gefühl hat, “dabei” zu sein🙂

    Ich wünsch Euch beste Winde und eine wundervolle, möglichst problem- und ausfallFREIE Zeit auf Eurem Trip zu den Bahamas!

    Hugs ‘n kisses – take care and ENJOY!🙂
    Tina & Co.

  2. Tobias says:

    Hey Ihr Beiden!
    Wer von Euch ist eigentlich der romatischere, spannungsgeladenere Schreiber? Ihr solltet unbedingt ein Buch schreiben.
    Dieser text hier ist so schön und großartig, dass man ihn sich eigentlich mit geschlossenen Augen anhören müsste. Dann hat man vielleicht eine klitzkleine Chance, die Luft die Ihr nachts auf Deck atmet zu spüren, sich die Sterne vorzustellen,und das Wasser an der Bordwand zu hören.
    Und dann geht einem der träge, gräuliche Hamburg-Bahrenfelder Arbeitstag gleich ein wenig leichter von der Hand🙂
    Gros Bisous!
    TJLN

  3. Sorry, but I couldn’t find the English version.
    Your faithful innkeeper,
    Christine of Penny and Christine

  4. Friederike says:

    Das mit dem Buch (s. Tobias) ist gut! Beim Lesen Eures Berichtes ging mir Ähnliches durch den Kopf..Jetzt genießt erstmal die Reise, auch ohne Fotos kann ich sie gut begleiten, da die Schilderung sehr bildhaft ist!
    Eine herzliche Umarmung von Friederike aus dem sonnigen Ulm

  5. Dagmar Klein says:

    Einfach nur wunderbar! Danke für diese “Schreibe” Ich bin fast dabei, so plastisch sind eure Worte!
    Danke ihr beiden Lieben! Eure Dagmar

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