Ankeralarm im Hudson River

(English version below all pictures)

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Die Coast Guard im Anmarsch / Coast Guard approaching

Wieder eine wilde Geschichte, wir koennen sie immer noch nicht glauben. Ob New York uns einfach noch nicht ziehen lassen wollte?

Der Ankerplatz im Hudson war mit Bedacht gewaehlt – diverse Hudson-erfahrene Segler und der Boat Basin Dockmaster hatten uns versichert, dass das Ankern dort problemlos moeglich und ein Anker ausreichend sei. Mehrere Boote lagen dort bereits vor Anker. Dennoch war die Nacht eher ungemuetlich, TRINITY schwoite in der starken Stroemung – mal flussauf, mal flussab – immer wieder um sich selbst. Und starker Wind bis 25 Knoten stand gegen Strom. Deshalb beschlossen wir, doch in Richtung Long Island Sound aufzubrechen. Es war ein grauer Tag, es regnete in Stroemen. Also Motor an und Anker auf. So zumindest der Plan. Nach kurzer Zeit streikte die Ankerwinsch, die Kette wollte nicht weiter hochkommen – im Gegenteil, sie rauschte nach unten. Ein neuer Anlauf, wieder Kette hoch. Robert rief von vorne: “Ach du Scheisse!!!”

Wir schauten ueber die Reling ins Wasser und trauten unseren Augen nicht. An der Kette baumelten zwei jeweils ungefaehr sechs Meter lange, sehr massive Holzpfeiler. Die Kette war um jeden separat gewickelt und dann noch einmal um beide zusammen. Der Anblick erinnerte an einen Lasten-Elefant, der zwei grosse Baumstaemme mit dem Ruessel transportiert. Im Hudson River treibt jede Menge Holz an der Oberflaeche, aber wie sich die Holzpfeiler auf diese Weise in unserer Ankerkette verfangen konnten, ist uns nach wie vor ein Raetsel. Aufschluss koennte wohl nur eine Unterwasser-Zeitraffer-Kamera geben.

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Zwei riesige Holzpfeiler haben sich in der Ankerkette verheddert /
Two large piles got entangled in the anchor chain

Wie bekommt man verhedderte Riesen-Holzpfeiler – jeder mindestens halb so lang wie unser Schiff – aus der Ankerkette? Einfach rausziehen ging nicht, die Kette war mehrmals fest herumgeschlungen. Zersaegen – woher eine Kettensaege nehmen? Ankerkette ausrauschen lassen und dem Anker Adieu sagen? Auf gar keinen Fall, unser Spade-Anker hatte viel Geld gekostet, ist sehr zuverlaessig und zudem niegelnagelneu – wir hatten ihn erst in Annapolis ausgetauscht, weil der alte Roststellen aufwies.

Da wir ja nun nur sehr eingeschraenkt manovrierfaehig waren, riefen wir die New Yorker Coast Guard an. Wir hatten die Hoffnung, dass sie Erfahrungen mit Treibgut aus dem Hudson haben. Nach kurzer Zeit kam ein eindrucksvolles Schnellboot angebraust. Es naeherte sich und durch das offene Fenster stellte uns der Skipper erst einmal jede Menge Fragen. Und das, obwohl unser Schiff in Gefahr war, die Baumstaemme schlugen in der Stroemung an den Rumpf. Wir hatten sie wieder etwas abgesenkt, um die Ankerwinsch zu entlasten. Als wir das Holz erneut an die Oberflaeche holten, um den Jungs von der Coast Guard das Ausmass des Missgeschicks zu demonstrieren, fielen ihnen fast die Augen aus dem Kopf. Sie zueckten ihre Kameras – so etwas hatten auch sie noch nie gesehen. Der Skipper schuettelte den Kopf und meinte, das Einzige, was sie tun koennten, sei ein Funkspruch an Schiffe in der Naehe mit der Bitte um Hilfe. Niemand meldete sich und die Coast Guard umkreiste TRINITY, ohne weiter etwas zu unternehmen.

Da beschlossen wir, nicht laenger zu warten und unser Dinghi klarzumachen, das seit Nassau eingepackt im Heckraum lag. Im stroemenden Regen pumpten wir es auf und liessen es zu Wasser. Da kam per Megaphon von der Coast Guard die Durchsage: “Nicht ohne Schwimmweste ins Boot!” Also stieg Robert mit Schwimmweste ins kleine Dinghi, das auf der Stroemung auf und ab tanzte. Zuerst versuchten wir, die Ankerkette zu entlasten, zu entheddern und irgendwie ueber die Holzstaemme zu ziehen. Das dauerte eine ganze Weile, klappte aber leider nicht, da die Staemme durch die Ankerkette eng zusammengepresst wurden. Einzige Moeglichkeit: die Ankerkette durchtrennen, aber ohne den Anker zu verlieren. Deshalb versuchten wir als naechstes, eine Ankerkralle an den Teil der Kette zu bekommen, der die direkte Verbindung zum Anker am Grund bildete, um diesen Teil dann am Boot zu befestigen. Das gelang Robert in einer halsbrecherischen Aktion, die Kette wurde mit einer Leine an TRINITY befestigt, so dass das Schiff jetzt auch wieder direkt am Anker hing, ohne Umweg ueber die dicken Holzpfeiler. Die Coast Guard wollte beim Kettendurchtrennen behilflich sein, ein Officer hielt eine klitzekleine Metallsaege in die Luft. Wir schuettelten die Koepfe: nein, eine Flex muss her. Zum Glueck haben wir eine an Bord und zum Glueck verfuegen wir seit Annapolis ueber einen grossen 2500 Watt-Inverter, der den dafuer benoetigten Strom liefert.

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Robert mit der Flex auf dem heftig schaukelnden Dinghi /
Robert working the angle grinder on the bouncing dinghi

Es regnete immer noch in Stroemen, als Kerstin die Stromleitung aus dem Schiffsinneren zum Bug legte und Robert die Flex klarmachte. Die Funken spruehten aufs Schlauchboot und in sein Gesicht, als er die Ankerkette knapp ueber und unter den Holzstaemmen durchtrennte. Die Staemme verabschiedeten sich gluckernd in die Tiefe – geschafft! Robert kletterte wieder an Bord, dann holten wir den Anker hoch, ohne weitere Probleme. Die Coast Guard umkreiste uns immer noch, so lange, bis wir Fahrt den Hudson hinunter aufgenommen hatten.

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Geschafft – ganz ohne fremde Hilfe, aber mit Zuschauern /
We made it – on our own, but with an audience caring for our safety

Wir machten fuer die Nacht in einer Marina fest und goennten uns zur Belohnung erst einmal eine warme Dusche. Puuh, ueberstanden – durchweicht bis auf die Haut, aber gluecklich. Am naechsten Tag befestigten wir den Anker an den an Bord verbliebenen siebzig Metern Kette und machten aus dem Rest, an dem der Anker vorher hing, zwei Kettenvorlaeufer fuer den Heckanker. Die hatten wir eh noch kaufen wollen. K+F

Und weil die Ausblicke auf NYC so grandios waren, dass wir sie euch nicht vorenthalten moechten, hier noch ein paar Bilder von unserer Abfahrt bei herrlichstem Wetter in Richtung Long Island Sound (vor allem die laenglichen Bilder bitte mit Doppelklick oeffnen, um sie richtig geniessen zu koennen:

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Ende des ereignisreichen, verregneten Tages und Sonnenaufgang ueber NYC am naechsten Morgen / Sunset at the end of an eventful, rainy day and sunset the next morning

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Blick auf die Manhattan-Skyline von Lincoln Harbour, New Jersey, aus gesehen

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Ein Ride mit der Staten Island Ferry – ein Muss bei allen frueheren Besuchen /
A ride with the Staten Island Ferry used to be a must for us

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Links die Ferry Ports an der Suedspitze Manhattans, rechts Pier 17, besser bekannt als Southstreet Seaport / Ferry ports at Southernmost tip of Manhattan (right) and Pier 17, better known as Southstreet Seaport (left)

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Brooklyn Bridge links / left, Manhattan Bridge rechts / right

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Downtown Manhattan, ueberragt vom fast fertiggestellten, 540 Meter hohen One World Trade Center auf dem Ground Zero-Gelaende / Downtown Manhattan, topped by the new One World Trade Center on Ground Zero, 1.776 feet high

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Hinter Hells Gate, dem Nadeloehr zwischen East River und Long Island Sound /
After having past Hells Gate, needle eye between East River and Long Island Sound

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Verlassene Industriegebaeude saeumen die Ufer / Abandoned industrial buildings at the river banks

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Das Empire State Building (links) markiert Midtown Manhattan und ist das zweithoechste Gebaeude von NYC / As the second tallest building of NYC, the Empire State Building marks Midtown Manhattan

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Wir lieben diese Skyline! / We simply love this sight!

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Und noch mehr davon… / Even more of it…

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Links das UN-Building, rechts die 59th Street Bridge nach Roosevelt Island (von einer Seilbahn in NYC wussten wir bislang nichts!) / UN building left, 59th Street Bridge to Roosevelt Island (did you know about a cable car in NYC?)

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Bye, bye, New York City!
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An odd story, still unbelievable. It seems as if NYC didn’t want us to leave.

We’ve chosen the anchorage on the Hudson with careful consideration: many experienced local sailors and the dockmaster of the Boat Basin made certain that anchoring at that location would be without any problems and one hook would be sufficient. We joined several boats already at anchor. But the anchorage turned out to be uncomfortable, TRINITY was circling around, wind of 25 knots was against current and it was raining cats and dogs. So we decided to move on towards Long Island Sound. Engine switched on, anchor up – at least that was our plan. But the windlass didn’t want to work anymore, the chain wooshed down again. Another try, chain up – Robert shouted from the bow “What a f…!”

We glanced over the rail and couldn’t believe our eyes. There were two large, approx. 20 feet long, solid wooden piles hanging in the anchor chain, entangled in the chain – wrapped around each one separately and both of them as well. Imagine an elephant carrying two large tree trunks in his trunk. There is a lot of drift wood in the Hudson, but how these piles could get entangled in the chain in this manner remains a mystery.

How do you get rid of tree trunks half as long as our boat? Simply pull them out of the chain was no option, the chain was firmly wrapped around them. Saw them – how to get a circular saw? Let the chain whoosh and say goodbye to the Spade anchor. Definitely not, it was very expensive, is extremly reliable and brand new – we’ve just exchanged it in Annapolis for free since there was rust on the old one.

Because of our limited manoeuvrability we called the New York Coast Guard – hoping they would have experience with driftwood out of the Hudson. After a short while, they approached in an impressive powerboat. First, they asked many questions through the open windows, circling around us. We had sunk the trunks back into the water to make it easier for the windlass. When we pulled them back to the surface, they couldn’t believe their eyes either and took many pictures. That never happened before as far as they know, that’s what they told us. They also said that the only thing they could do would be to call other boats in vicinity on VHF to ask them for assistance. No one replied and the Coast Guard constantly circled around us, to make sure we were safe.

We couldn’t wait any longer but decided to take action on our own immediately. We inflated the dinghi which was stored in a bag in our stern locker since Nassau/Bahamas. It still was raining like hell. The Coast Guard reminded us per megaphone that we should wear a lifejacket. Robert entered the bouncing dinghi with a lifejacket. We tried to release the chain and to detangle it from the trunks but no chance, they were pressed together by the chain itself. Then we tried to apply a hook to that part of the chain that was directly detached to the anchor to tie that to TRINITY. Robert managed to do that. The only option now was to cut the chain. The only way to do that was with an angle grinder. Luckily, we had one on board and, luckily, we just had a bigger inverter (2500W) installed so that we could power the device.

In the pouring rain we put a power chord to the bow and Robert prepared the angle grinder on the dinghi in the choppy water. When he started using it, sparks were pouring on the inflatable and his face. He finally managed to cut the chain above and below the wooden piles. They submerged with big bubbles into the deep. Robert came back aboard TRINITY and we got the hook up – without further problems. Eventually released, yeahh! The Coast Guard was still circling around us until we were noticeably heading down the Hudson.

We tied up in a marina – soaking wet but happy. The best treat was taking a warm shower. The next day, we tied the anchor to the 200 feet of chain remaining on the boat. The other part, we can now use for our stern anchor. K+F

P.S.: Please double-klick especially the wide pictures to fully enjoy them!

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One Response to Ankeralarm im Hudson River

  1. isi says:

    wunderschöne Bilde und spannende Geschichte

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