Das Bootsleben ist keine Haengematte

Wir haben mittlerweile 12.000 Seemeilen (rund 20.000 Kilometer) mit TRINITY zurueckgelegt. Und da ist es nun mal an der Zeit gewesen, unserer Lady eine Frischzellenkur zu verpassen. Es gab viel zu tun. Unsere To Do Liste war einschuechternd lang. Die Motivation einschuechternd hoch. Und Zeit hatten wir auch.

Bis 19. Juni 059
Leuchtturm auf dem Weg nach Annapolis

Bis 19. Juni 073
Welcome Dinner mit unseren Freunden
von ANTARES und NELLY ROSE

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Heimathafen fuer einen Monat:
Eastport Yacht Center in Annapolis

Bis 19. Juni 081
Downtown Annapolis

Unser Zielhafen war Annapolis, Eastport, am Steg von J.Gordon&Co, der hiesigen Koriphaee, was alles rund ums Schiff betrifft. Der Inhaber Marshall ist ein Althase, was Segelschiffe betrifft. Bereits vor 40 Jahren segelte er mit einem 150 Fuss Schoner durch den Atlantik und die Karibik. Marshall hat hier seit knapp 20 Jahren sein eigenes Unternehmen und besitzt eine ausgezeichnete Reputation. Er und sein Team sind extrem nett und hilfsbereit. Super Jungs, mit denen man auch viel Spass haben kann. Sie haben uns in erster Linie bei der komplexen Schiffselektrik und -elektronik unterstuetzt. Unser Schiff hat drei Stromnetze: 12Volt, 24Volt und 230Volt. Und da beziehen wir gern Profis mit ein, um sicher zu sein und um noch etwas zu lernen. Was auch hier die absolut richtige Entscheidung war.

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Marshalls Truck macht Shopping much easier –
und Robert even happier

Eine der groessten Herausforderungen und leider auch haeufigen Aergernisse auf unserer Reise sind die unterschiedlichen technischen Masse und Systeme. Auf unserem Schiff ist alles im metrischen System (Zentimeter etc.). Hier in den USA und in vielen anderen Laendern wird ausschliesslich in Zoll und Inch gearbeitet. Unser 230Volt Strom fliesst mit 50 Herz. Hier wird der Landstrom nur mit 60 Herz angeboten – und damit laeuft z.B. unsere Waschmaschine nicht. Meist auch nur 115Volt. Unsere Gas-Anlage nutzt Butan. Hier und in vielen anderen Laendern wird ausschliesslich Propan angeboten. Das alles zusammen hat unsere Planungen, Einkaeufe und Arbeiten noch sehr viel komplexer gemacht. Doch dazu spaeter mehr.

Auf unserer Wunschliste ganz oben stand ein Wassermacher. Eine sogenannte Meerwasserentsalzungsanlage. Wir haben lange gezoegert, ob wir uns diese aufwaendige Anlage wirklich anschaffen wollen. Noch mehr Technik an Bord. Noch mehr Aerger mit anstehenden Reparaturen. Und natuerlich auch die weiteren Kosten. Dem gegenueber steht der Vorteil, jederzeit perfektes, reines Frisch- und Trinkwasser an Bord zu haben. Und bei unseren Plaenen, die wir noch haben, ist das von unschaetzbarem Wert. Oberste Prioritaet hatte dabei, dass die Anlage relativ einfach ist, aus ueberall erhaeltlichen Einzelbauteilen besteht und von uns gut und leicht installiert, gewartet und gegebenenfalls auch repariert werden kann. Nach einiger Recherche und vielen Gespraechen entschieden wir uns fuer die Anlage Ecotech. Das Unternehmen gehoert einem deutschen Segler und Ingenieur, der auf Trinidad lebt, dort dieses kleine Wunderwerk der Technik entwickelt hat und nun in erster Linie fuer Fahrtensegler produziert.

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Das Puzzle vorher…

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…und nachher: kaum zu sehen, was dahinter steckt

Der Wassermacher traf hier am 1. Juli ein und wir haben ihn dann aufwaendig in das Schiff integriert. Bei flauschigen 40 Grad unter Deck bzw. zumeist unter den Bodenbrettern unserer Innenraeume. Eine schweisstreibende Angelegenheit. Und das ueber mehrere Tage. Wir mussten eine Boosterpumpe, eine Hochdruckpumpe, eine ein Meter lange Membrane, elektrische Ventile, diverse Filter, meterlange Zu- und Ablaeufe, Hochdruckschlaeuche und ein zentrales Kontrollpaneel in das Schiff einbauen. Planen, skizzieren, bohren, saegen, flexen, schrauben, fluchen, freuen, installieren, testen, trinken, noch mehr freuen. Es hat alles bestens geklappt. Die Anlage laeuft und produziert nun unser eigenes, koestliches Trinkwasser.

Ausserdem haben wir uns einen neuen Inverter angeschafft. Nun haben wir jederzeit 230Volt Strom an Bord. Gut, um zum Beispiel unsere Waschmaschine und andere elektrischen Geraete auch auf See oder vor Anker zu betreiben. Nachdem unser Generator auf dem Atlantik in Flammen stand, haben wir ihn hier endlich ausgebaut und vom Schiff geschafft. Nun brauchten wir also eine Loesung, um unseren eigenen Strom zu produzieren. Die neuen, staerkeren Lichtmaschinen sowie unser Notstromaggregat haben wir ja bereits auf St. Maarten angeschafft und eingebaut. Und der neue Inverter macht nun aus dem 24Volt Strom aus unseren voluminoesen Batteriebaenken perfekten 230Volt Strom. Perfekt, da er den Strom in 50 Herz liefert, was gegenueber dem 60 Herz Strom in Amerikas Haefen nun endlich auch wieder unsere Waschmaschine laufen laesst.

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Im Keller von TRINITY

Darueber hinaus hatten wir einige Schweissarbeiten zu erledigen, mussten den Rodkick, oder auch Baumniederholer, reparieren, einen zusaetzlichen Block am Masttop installieren, haben unter anderem die gesamte Hydraulik fuer die Segelbedienung aus dem Mast entfernt und spaeter wieder installiert. Es standen einige Lackierarbeiten an. Wir haben unsere Gasanlage auf Hybrid umgebaut, koennen nun also auch neben unserem Butangas mit Propan kochen. Wir haben unseren angerosteten Spade-Anker ausgetauscht – freundlicherweise zu hundert Prozent auf Kulanz. Und wir haben eine komplett neue Windmessanlage auf der Mastspitze und im Schiff installiert. Endlich wieder klare Windverhaeltnisse. Auch das wurde Zeit.

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Die Verbindung zwischen Mast und Baum (Luemmelbeschlag!) wird verstaerkt

So nach und nach wurde unsere To Do Liste immer uebersichtlicher und unsere TRINITY immer besser und schoener. Es war sehr anstrengend, aber es hat uns beiden aufgrund der vielen kleinen Erfolgserlebnisse auch sehr viel Spass gemacht. Es ist wirklich unglaublich, was wir in den letzten eineinhalb Jahren alles gelernt haben und was wir heute alles bereits selber erledigen koennen. Wir freuen uns ueber die nach wie vor steile Lernkurve und darueber, dass wir die Herausforderungen und Probleme an Bord zunehmend autark loesen koennen.

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Ray, best harbourmaster ever, laedt uns zum BBQ ein

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Blue Crabs á la Maryland: stilecht mit Hammer

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Stegnachbar: der Heron beim Fischen

Das Ganze konnten wir hier im perfekten Umfeld erledigen. Annapolis heisst nicht umsonst das Segler-Mekka Amerikas. Am Wochenende sieht es auf der Bay aus wie auf der Aussenalster oder dem Wannsee. Nur alles ein paar Nummern groesser. Hunderte von Segelbooten pfluegen durchs Wasser. Jede Woche gibt es Regatten. Und ein Grossteil des hiesigen Business widmet sich dem Wassersport. Es gibt hier mitten in der Stadt eine grosse, traditionsreiche Marineakademie. Und im wunderschoenen Downtown reihen sich erstklassige Restaurants, urige Bars und maritime Laeden jeglicher Coleur dicht aneinander. Die Menschen hier haben eine sehr positive Lebensart und kultivieren ihre freie Zeit. Und fuer uns war es fuer einen Monat die wohlige Heimat in der Fremde.
Have a good one! R+K

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