Geschwaderfahrt aus dem Hurrican Gebiet

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TRINITY, ANTARES, 2MICKYS und THAT’S LIFE vor Conception Island, Bahamas

Es gibt Freundschaften, die man in jungen Jahren schliesst und die – mit viel Glueck – ein Leben lang halten. Diese Freundschaften sind selten, aber es gibt sie. Und sie sind sehr wertvoll. Dann gibt es die Freundschaften, die man im Laufe des Lebens schliesst, die sich dann aber haeufig im Trubel der Geschaeftigkeit verlaufen. Und es gibt die Freundschaften, die man ganz frisch geschlossen hat und bei denen sich – wohl auch aufgrund der Endlichkeit unseres Seins – sehr schnell herausstellt, ob sie es wert sind, kostbare Zeit in sie zu investieren. Diese Freundschaften sind eine Freude und Inspiration. Es sind die Engel, die einem auf seinem Weg begleiten. Jeder mit seiner eigenen Geschichte. Bei diesen Freundschaften fragt auch niemand, ob sie auf ewig sind. Auch werden keine Schwuere abverlangt. Aber wenn man Glueck hat, dauern sie eine lange Zeit an.

Wir haben auf unserer abenteuerlichen Fahrt solche Freunde gefunden, schaetzen und lieben gelernt. Und mit einigen von ihnen sind wir nun schon seit einiger Zeit unterwegs. Wie z.B. seit Las Palmas mit Wolfgang und Uta von THAT’S LIFE. Ein bezauberndes Paar, mit dem wir zeitgleich waehrend der ARC den Atlantik ueberquert haben. Mit ihnen und ihrem Schiff waren wir waehrend der Weihnachtsfeiertage in den Grenadines unterwegs, waehrend TRINITY nach der Atlantik-Ueberquerung auf Ersatzteile wartete. Und seither kreuzen sich unsere Wege immer wieder. Ausserdem dabei: die 2MICKYS. Ein froehliches Paar, das seit einigen Jahren unterwegs ist und die wir auch bereits auf Gran Canaria kennengelernt haben. Auch sie haben die ARC gemeinsam mit uns erlebt. Noch recht frisch dabei sind Andrea und Olaf von der ANTARES. Das kleinste Schiff in unserer Runde (eine sehr gepflegte Hallberg-Rassy 40), das uns jedoch bei leichten Winden gern mal um die Ohren segelt. Beide sind in unserem Alter, aus Hamburg bzw. Bielefeld, sehr klar, frisch und froehlich.

Mit diesem Vier-Boote-Geschwader sind wir nun bereits seit St. Maarten bzw. den BVIs unterwegs. Auftakt unserer Tour war die Full Moon Party am Strand der Trellis Bay auf Tortola. Ein froehlich-exzessiver Abend mit BBQ und sehr vielen Carib Beers (beste Erfrischung in dieser Gegend).

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Full Moon Party in der Trellis Bay/BVI und das Ergebnis (von Wolfgang bestaunt)

Von den BVIs aus sind wir 550 Meilen zu den Turks and Caicos gesegelt – zum ersten Mal seit der Atlantikueberquerung wieder mehrere Tage und Naechte hintereinander auf See. Die Inselgruppe der Turks and Caicos gehoert dem British Empire an und ist vergleichbar mit den Cayman Islands – ein Strand-Palmen-Steuerparadies. Hier bezahlt kaum jemand Steuern (Spitzensteuersatz 3 Prozent). Aurdem sind sie gerade dabei, die Mehrwertsteuer von 11 Prozent abzuschaffen. Es herrscht annaehernd Vollbeschaeftigung. Und die Sonne scheint 365 Tage auf die samtweichen Sandstraende. Exzellente Hotels und Restaurants liegen an den schoensten Buchten dieser Welt. Auch wir waren hier gemeinsam mit unseren Freunden koestlichst dinnieren. Die Turks and Caicos sind wirklich schoen und entspannt. Aber nach ein paar Tagen zwingen uns die herannahende Hurrican-Saison sowie die vor uns liegenden Bahamas zum Aufbruch.

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Zaehlt zu den schoensten Straenden der Welt: Grace Beach, Turks&Caicos

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Nie zuvor gesehen: nicht nur das Wasser ist tuerkis, auch die Wolken sind es!

Am 7. Mai setzen alle Schiffe ihre Segel Richtung Nassau. Mit einigen spannenden Zwischenstopps. Zuerst segeln wir knapp 70 Meilen nach Mayaguana, wo wir fuer die Bahamas einklarieren. 300 Dollar kostet der Spass (auf den BVIs haben wir gerade mal 14 Dollar bezahlt). Man versteht schnell, warum hier kaum Steuern benoetigt werden. Auch die Hafenpreise steigen rapide an. Die Atlantis Marina in Nassau z.B. soll bis zu 7 Dollar pro Fuss pro Nacht kosten. Und unser Schiff hat 50 Fuss – 350 Dollar nur fuers Festmachen? Aber wer dort liegt, sorgt sich sowieso nicht mehr um derartige Betraege. Fuer uns Langfahrtsegler ist das natuerlich etwas anderes und somit planen wir mit guenstigeren Haefen. Die aber mindestens genau so schoen sind. In der Atlantis Marina gibt es 30 Restaurants und 25 Bars. Kabel TV an der Pier. Und Shuttelbusse, die einen ueber das gigantische Gelaende transportieren. Wir lieben es etwas entspannter und reservieren in der Nassau Harbour Club Marina. Ein schoener, ruhiger Hafen, der zentral gelegen ist, Pool und sonstige Facilities hat – und eben kein Disneyland ist.

Am Abend des 10. Mai laufen wir auf Conception Island ein. Wir sind seit 30 Stunden unterwegs durch die Bahamas. Haben einen grandiosen High-Speed-Segeltag hinter uns und sind gluecklich, so gut angekommen zu sein. Hinter uns liegen knapp 200 Meilen Blauwasser. Sogar Delfine haben uns ein Stueck unseres Weges begleitet. Wie immer mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Wohlgemerkt die Delfine.

Die letzte Segel-Nacht war mal wieder besonders. Ein schweres Gewitter tobte um uns herum. Zum Teil in allen vier Himmelsrichtungen. Der Wind stieg von totaler Flaute auf Sturmstaerke an. Und das in einer dunklen, mondlosen Nacht. Du siehst nichts. Du spuerst nur, wie der Wind deine 21 Tonnen schwere Lady auf die Seite legt. Und der sintflutartige Regen ergiesst sich ueber das Deck. Die Gewittergebiete bewegten sich zum Teil gegen den Wind auf uns zu. Die grellen Blitz-Waende haben sich auf einer Breite von mehreren Kilometern horizontal ausgebreitet. Wenn du dazwischen stehst, wirst du gegrillt. Daher hatten wir immer mal wieder den Motor – Stand-by – laufen. Wir mussten das Schiff hin und wieder aufstoppen, um nicht in das zum Teil eine halbe Meile vor uns liegende, vorbeiziehende Donnerwetter einzutauchen. Da hat sich unser Innensteuerstand erstmalig bezahlt gemacht. Genau fuer derartiges Wetter ist er entwickelt worden. Und heute Nacht konnten wir die Geborgenheit und Sicherheit unseres massiven Schiffes entspannt erleben. Zumal ein Aluminiumboot ein pharadaeischer Kaefig ist. Passt also perfekt fuer derartig widrige Bedingungen.

Nachdem wir am fruehen Morgen diese blitzende Nacht hinter uns gelassen haben, stellte sich die Frage, ob die mit unseren Freunden verabredete Bucht Little Harbour auf Long Island noch immer der geeignete Treffpunkt ist. Auf diese steht nach dieser Nacht bestimmt ein heftiger, unpassierbarer Schwell. Bei unserer Kurzwellen-Funkrunde haben wir von THAT’S LIFE und ANTARES erfahren, dass sie sich dieselben Gedanken gemacht haben und direkt unser naechstes Ziel Conception Island ansteuern. Und damit haben auch wir unseren Kurs auf 330 Grad neu abgesetzt und sind ebenfalls zu dieser kleinen, unbewohnten Insel hochgesegelt. Wir haben unser Code One Segel ausgepackt und sind mit 8 bis 9 Knoten unserem Ziel entgegen gesprintet. Um 21.30 – fuenf Stunden vor den anderen Schiffen – faellt der Anker und wir liegen ruhig und sicher in einer traumhaften Bucht.

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Ankerplatz vor Conception Island, dem unbewohnten Paradies

Hier bleiben wir nun erstmal ein paar Tage. Es ist eine echte Robinson Crusoe Insel. Weisser, pudriger Sandstrand, Palmen, durchsichtiges Wasser und traumhafte Riffe zum Schnorcheln und Tauchen. Bunte Fische, Rochen, Riffhaie und Delfine schwimmen um unser Schiff herum. Ansonsten ist hier keinerlei Zivilisation. Nichts. Keine Bar, kein Restaurant, kein Mensch (und kein Internet). Einfach unberuehrte Natur. Mitten im Ozean. Hier wirst du auf dich selbst reduziert. Und damit erfaehrst du dein volles Potenzial. Deine Natur. Ein fantastisches Erlebnis. Und ein weiteres, grandioses Highlight auf unserem wundervollen Weg. R+K

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3 Responses to Geschwaderfahrt aus dem Hurrican Gebiet

  1. Beate Föll says:

    Ich bin gut zurück vom camino, ohne irgendwelche Probleme und habe mich riesig über eure Nachricht gefreut!Auch wenn die Verbindung nicht so super war, habe ich mich sehr über euren Anruf am Sonntag gefreut.Weiterhin eine wunderschöne Zeit!In Gedanken bin ich bei euch, alles Liebe M.

  2. Cengiz Susan says:

    Seid Ihr denn schon bei unserer Haustür vorbei? Sorry, dass wir gerade nicht zu Hause sind. Hätten ja mal gerne vom Balkon gewunken. Ich bin noch in HH und Cengiz in Marmaris. Sehen wir uns denn auf der Rückfahrt?!?

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