Heftig but happy! / Fierce but happy!

(English version below)

Wir sind angekommen! Endlich! Die letzten Tage waren wild und extrem anstrengend. Aber wir haben es geschafft! Unverletzt, unkaputt und unfuckingfassbar. In nur 17 Tagen! Willkommen Karibik! Willkommen Saint Lucia! Willkommen suesses Leben!

Was bisher geschah:
Als wir die Probleme mit dem Generator hatten, der uns keinen Strom mehr liefern wollte, sind wir in den „Keller“ gestiegen, auf allen Vieren bei heftigstem Wetter, haben das Ding repariert und wieder zum Laufen gebracht. Holger, der Motoren-Fluesterer aus Palma und der beste Mann im Mittelmeer, hat uns dabei über Satelliten-Phone unterstützt. Als der Generator dann eineinhalb Stunden lief – wir wollten am ersten Tag nicht mehr als 2 Stunden Laufzeit = 10% Batteriekapazität – gab es einen Knall und aus der Zentralsteuerung des Generators (das ist der eigentliche Stromerzeuger) stieg Qualm auf. Wir oeffneten die Box und reinigten die unterschiedlichen Bereiche. Es war nicht klar auszumachen, wo das Problem lag. Wir starteten den Generator also aufs Neue und in dem Augenblick schlugen Flammen aus einem der Kondensatoren. Kerstin stoppte sofort die Dieselzufuhr und sowohl Motor als auch Flammen erlischten. Soweit zu unserem Generator. Der hatte nun leider endgueltig sein Leben ausgehaucht.

Fuer uns fingen die Strapazen damit erst richtig an. Wir mussten sofort alle Stromfresser eliminieren. Dazu gehoerte in erster Linie auch unser Autopilot. Der dritte Mann. Und damit hiess es fuer uns: Rund um die Uhr steuern. Ohne Pause. 2 lange Wochen lang. Tag und Nacht. Bei jedem Wetter. Hinzu kam die Sorge der im Zweifel voellig zerstoerten Batteriebank (sowas kostet einige Tausend und wurde im Frühjahr gerade erst komplett erneuert), der schlechten Bedienbarkeit unserer Segel (hier laeuft alles elektro-hydraulisch), der fehlenden Sicherheits- und Navigationsstandards (nichts lief mehr: GPS, Radar, AIS, Funk – also auch keine weiteren Wetterdaten) sowie die Frage, wie man einen solchen strapazioesen Weg am besten durchhaelt. Und da hat uns wohl unsere fast schon preussische Disziplin gerettet. Unser 4-Stunden-Wachplan. Und die Gewissheit, dass jetzt sowieso nichts anderes mehr geht als Durchhalten. Draussen mitten auf dem Atlantik bist du auf dich allein gestellt und musst deine Angelegenheiten auch selbst in die Hand nehmen.

Da nun – noch mehr denn je – unsere erste Prioritaet bei einer schnellen Ankunft in Saint Lucia lag, haben wir alles gemacht, um das Schiff schnell zu bekommen: Die richtige Segelkombination und -Stellung (einen Spibaum von Back- nach Steuerbord zu shiften, bei extrem viel Welle, allein, ohne Unterstuetzung, da dein Partner ja immer am Steuer steht, ist wirklich nicht ohne), perfekter Trimm, die richtige Strategie sowie das adaequate Segel zum jeweiligen Wind. Und da gabs dann auch schon das naechste Problem. Als wir nach einigen Tagen den ersten sonnigen Tag hatten und sich der Wind ein wenig beruhigt hatte (15 bis 20 Knoten, in Boeen 25), haben wir unseren 180 qm Gennaker gehisst. Das perfekte Segel bei Vorwind-Kursen und leichten bis mittelkraeftigen Winden – wie wir dachten und auch urspruenglich den Segelmacher gebrieft hatten. Eine tolle, schnelle Fahrt (zwischen 8 und 12 Knoten Speed) ueber mehrere Stunden war das erfreuliche Resultat. So sollten wir schnell zum Ziel gelangen. Gegen Abend wurden wir eines Besseren belehrt. Das Segel riss am Vorliek von oben nach unten einfach durch. Raaaatsch und der Lappen schwamm im Wasser. Wir stoppten das Schiff auf und holten das riesige Tuch mit vereinten Kraeften wieder an Deck. Geschafft! Nichts hatte sich verhakt bzw. unters Schiff verhaeddert. Leider war es das mit unserer Vorwind-Besegelung. Also weiter improvisieren.

Durch unseren Wachrhythmus – 4 Stunden Wache, 4 Stunden frei (= Versuch zu schlafen!) – wurden unsere Segeltage in kleinere Haeppchen zerteilt. Und so naeherten wir uns Stueck fuer Stueck unserem Ziel.

Ein unbeschreibliches Gefuehl, als wir gestern Abend den Hafen von Saint Lucia mit unserer Handfunke angerufen haben, um einen Liegeplatz zugewiesen zu bekommen. Am Steg wurden wir gleich von mehreren Leuten empfangen und beglueckwuenscht: ein Offizieller mit eiskalten Rumcocktails und einem koestlichen Geschenkkorb, einige Mitarbeiter der ARC, die uns auch gleich unsere Atlantic-Crossing-Urkunde ueberreicht haben, diverse Nachbarlieger und Freunde, die uns um den Hals gefallen sind und sich gemeinsam mit uns gefreut haben, dass wir es geschafft haben.

Nun noch ein paar Worte zu dem etwas anderen Trip. Haetten wir vorher keine Erwartungen gehabt und alles einfach auf uns zukommen lassen (da ist es wieder: Loslassen!), haetten wir auch nicht diese Gefuehlsachterbahn durchmachen muessen. Denn schliesslich und endlich war es ein toller, atemberaubender Ritt ueber den Atlantik. Wann macht man sowas denn schon in seinem Leben? Und da wir die Meilen auch noch haendisch selbst gesegelt und selbst navigiert haben, ohne die ganze Elektronik, ohne die Errungenschaften der modernen Seefahrt, war es auch ein sehr urspruenglicher Trip, der uns dem Schiff, der Natur und der urspruenglichen Faszination des Segelns noch einen grossen Schritt naeher gebracht hat.

Besten Dank an alle, die uns auf diesem Weg begleitet haben. Und sorry nochmals, dass wir euch nicht auf dem Laufenden halten konnten. Aber der ARC Beep hat ja funktioniert. Insofern konnte man immer sehen, dass es uns noch gibt und dass uns niemand so schnell unterkriegt. Schon gar nicht uns beide!

Wir werden nun erstmal ein paar Dinge an unserem Schiff ueberarbeiten. Das Segel flicken. Und unser Energiekonzept erneuern. Ausserdem noch kraeftig mit unseren neuen Freunden vor Ort feiern, am 21.12. die grosse Abschiedsgala zelebrieren. Und dann geht´s weiter in die Inselwelten der Karibik. Auf zu neuen Abenteuern mit Jack Sparrow & Co. R+K
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We’re there! Finally! The last days had been wild and extremely exhausting. But we made it! Healthy, still in one piece and completely overwhelmed. Crossing in only 17 days! Welcome Caribbean, welcome Saint Lucia! Welcome sweet life!

What had happened so far:
When we encountered the problems with the generator, which just didn’t quit producing electricity, we climbed into the “cellar” of the boat, on our knees in rough wheather, managed to repair the device and bring it back to life. Holger, the “engine whisperer” from Palma de Mallorca (Balearics, Spain) and most talented Service Man in the whole Med, supported us via satellite phone. When the generator had been running for one and a half hours, there was a big bang and smoke was coming out of the AC control box. We opened the box and cleaned the different elements in the box. It wasn’t possible to pinpoint the problem down. We switched the generator on another time – in this very moment flames were coming out of one of the condensers. Kerstin immediately stopped the diesel fueling and either flames and engine terminated. That’s the sad story about our generator. He had finally given up his life.

For us, that was only the beginning of stresses and strains. We had to get rid of all energy suckers immediately. One of the first had to be our Autopilot – the actually indispensable ‘third hand’ onboard. That meant for us: being at the helm 24/7 in rotation.No breaks. Two weeks in a row.Day and night. In any weather. Additionally, we worried about our battery bank which might have been destroyed by complete decharging – it had been installed only a few months ago and a replacement would cost us easily thousands of Euros. We also worried about the limited and unconvenient handling of our sails (actually electric-hydraulic operation), a lack of safety and navigation standards (nothing worked anymore without electricity: GPS, Radar, AIS, radio – which meant for example no more weather data – bad!) and the question how to best cope with such an exhausting passage. In hindsight, we attribute our salvation to our almost Prussian discipline. Our four-hours-watch plan. As well as the certainty that nothing else than perseverance will work – there is simply no other option. So hang in there! Out in the middle of the Atlantic Ocean you’re all by yourself and you have to care for your wellbeing yourself.

Since our first priority was now a fast arrival in St. Lucia, we did our best to get TRINITY go faster: the right combination and trimming of sails, prefect trimming, the right strategy and the appropriate sail for the respective wind. That was critical since it’s all but easy to shift the spinnaker pole from port to starboard side in heavy seas, without any help, since your partner can’t leave the helm. And then the next problem arrived. After the first rough days we catched a sunshiny day with less heavy winds (15 – 20 kts, gusts 25 kts), we hoisted our 180 sqm gennaker (approx. 1940 square feet). Perfect sail for downwind sailing and light to mid speed winds – that’s what we assumed and what we had ordered the gennaker for. It resulted in a great, fast sail, between 8 to 12 kts speed, for several hours. That would take us to our next port of call fast. In the evening, that dream was over. At its luff, the gennaker was torn apart from top to bottom. The huge sail dropped down into the water. We brought the boat to a halt and managed to get the piece in in joint efforts. Done! Fortunately, nothing got caught at or even below the boat. Unfortunately, our perfect downwind setting was gone now. So we kept on improvising.

Due to our watch system – 4 hours at watch, 4 hours spare time (which equaled the effort to get sleep!) – oour days were divided into small ‘bites’. Eventually, we approached our destination step by step.

What an indescribable feeling as we hailed the marina of St. Lucia with our handheld VHF in order to get a berth advised. At the dock we were greeted by a committee of people: a St. Lucia official with icecold Rum Punches and a delicious present basket, a few ARC staff members (who handled us our ARC participants’ certificate) as well as fellow sailors who hugged us warmly and celebrated he safe arrival and completion of the crossing with us.

A few words on this trip which turned out to be a little ‘different’. If we wouldn’t have had any expectations and just taken everything as it came along (the famous ‘letting go’), we woulnd’t have experienced this exhausting emotional rollercoaster ride. At the end, it has been a great, breathtaking trip over the Atlantic. Who does anything like this in his life? Since we had sailed the long way self-steering and self-navigating, without any electronics, without the achievements of modern seamanship, it was a very genuine voyage which brought us much more closer to the boat, nature and the primary fascination of sailing.

Many thanxx to all who supported us and accompanied our way. And sorry again that we couldn’t keep you posted all the time. But the ARC beep (or Yellowtrack) worked fine. So you were enabled to witness that we were still there and that we kept going. How of all if not us?!

We will work on the boat now and redesign a few things. We will repair the gennaker and renew our energy system. Also, we will celebrate with our many new friends on the spot and at the big farewell gala on Dec 21. Afterwards, we will move on to the Caribbean archipelagos. Towards new adventures of Jack Sparrow & Co. R+K

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19 Responses to Heftig but happy! / Fierce but happy!

  1. Tina says:

    Uffff…. da bekommt man beim Lesen schon fast Schnappatmungen!

    Hut ab vor Eurer supertollen Leistung!!! Die Freuden der Karibik habt Ihr Euch jetzt echt mehr als verdient, ich wünsche Euch eine nunmehr erholsame und relaxte Zeit, die könnt Ihr jetzt bestimmt gut gebrauchen!🙂

  2. Klaus says:

    Riesen Gratulation,

    Das war ja mal ein Ritt durch die Wellen, Respekt und nun erst mal alles Gute in der Karibik, erholt euch gut und schon mal viel Spass fuer die weitere Planung.
    .best
    Klaus

  3. Herzlichen Glueckwunsch zur sicheren Ankunft und schnellen Ueberfahrt trotz aller Probleme. Hoffe Ihr bekommt alles schnell wieder in den Griff, viel Spass und frohe Weihnachten, Reinhard & Sheila

  4. Melanie says:

    Wow wow wow- mir steigen Tränen vor Rührung, Hochachtung und Glücksgefühl mit euch hoch!
    Täglich habe ich verfolgt wo ihr seid und In den 17 Tagen Segelbücher gelesen, um zu verstehen, was Rigg, Gennaker, achtern usw. sind.
    Ihr habt mich in euren Bann gezogen und ich fiebere aus der Ferne mit euch!

    Genießt das karibische Flair und lässt es euch gut gehen!

    Liebe Grüsse und eine Umarmung sendet Euch
    Cousinchen Melanie
    xxx

  5. Christoph isenbuerger says:

    Super spannend. Carl fragt, ob ihr jetzt Piraten seit. Wo und wie kann man euch denn erreichen? Liebe Grüße aus Kronberg

    Carl, David Viola und isi

  6. Inke says:

    Liebe Kerstin, lieber Robert, ich bin bis aufs Mark beeindruckt und berührt. Nichts und Ihr scheint nicht mehr wie vorher. Als ob Ihr eine andere Demension des Seins, der Wichtigkeiten, des Hier und Jetzt erreicht habt. Da kommt Soetwas wie eine große Sehnsucht auf…
    LG
    Inke

  7. Ingo Ciecholewski says:

    Respekt vor Eurer Leistung. Bei mir zu Hause war es ganz still als ich Eure Erlebnisse vorgelesen habe. Eigentlich kann man das wohl nicht mehr steigern, hoffentlich🙂. Geniesst die Sonne und
    das Leben vor Ort und ab und zu eure TrinitY streicheln…

    Beste Grüße aus Berlin
    Ingo Ciecho.

  8. Steffi says:

    Hammer!Hatte Gänsehaut beim Lesen und musste echt Schlucken vor Rühring!Hab die letzten Tage oft an Euch gedacht,denn dass man irgendwo sehen kann,dass es Euch noch gibt,wusste ich nicht!??Schön,dass ihr es geschafft habt.Und das auch noch auf so “natürliche” Weise…Dicken Knutsch from sunny Tenerrife

  9. Friederike Klatt says:

    Toll, wie Ihr das geschafft habt! Meine Hochachtung!! Zum Glück konnte ich mich ja immer wieder vergewissern, dass Ihr noch auf dem Weg seid. Mußte aber innehalten, als ich den gestrigen Bericht las. Schön, dass es Euch gibt!

  10. Kirsten says:

    WOW! Meinen allerherzlichsten Glückwunsch und Respekt… Well done. Und das alles dann auch noch mit den Erlebnissen. Unglaublich der Bericht – Ihr seid grossartig und könnt echt stolz auf Euch sein… Love, K.

  11. Barbara says:

    Spitze! Ihr lasst euch echt so leicht nicht den Schneid abkaufen.
    Herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung. Gerd hat viel von euch erzählt und so habe ich euren Blog verfolgt und zwischendurch immer wieder den Atem angehalten. Nun bin ich echt froh, dass Ihr heil und wohlbehalten in St. Lucia gelandet seid. Hut ab! Und alles alles Liebe aus Hamburg für die weitere Reise.
    Barbara

  12. Beate Föll says:

    Ich bin überglücklich, daß ihr es geschafft habt! Erholt euch erstmal, kommt richtig an und freut euch auf die vor euch liegende Zeit. Ihr seid großartig, und ich bewundere eure Leistung, unter diesen widrigen Umständen sicher und v.a. gesund in so einer guten Zeit euer Ziel erreicht zu haben.Love M.

  13. Sabrina says:

    Hey ihr Lieben,
    Euch wird auch nichts geschenkt! Respekt wie ihr das alles gemeistert habt! Und jetzt viel Spass in der Karibik🙂
    Alles Liebe Rolf und Sabrina

  14. Tobias Phleps says:

    Wahnsinn!!!!!
    Ihr Teufelskerle habt es echt gepackt. Wir sind so beeindruckt. Ich glaube als Nicht-Segler, in der warmen Wohnstube vor dem Kamin kann man sich Eure letzten 17 Tage nicht vorstellen.
    Nun geniesst erst einmal Sonne, Strand und Cocktails und erholt Euch gut!
    Wir vermissen Euch hier und Dich Robert natürlich beim Boys-Xmas.
    Tobias und Family

  15. Hey Ihr beiden, Respekt und Glückwunsch!!!
    Viele Grüße und schöne Weihnachten – Claas

  16. Nicole & Holger says:

    Jack Sparrow & Co. R, wir sind stolz auf euch!!!

    Wir haben bei jedem Bericht mitgefiebert und fest die Daumen gedrückt!!! Umso schöner, dass ihr wohlbehalten angekommen seid und euch jetzt für jede Seemeile einen dieser karibischen Rumcocktails mit Schirmchen verdient habt 😉, aber schlaft euch erst mal so richtig aus!!!

    Saludo aus Cala Murada,
    Nicole & Holger

  17. Bettina says:

    Herzlichen Glückwunsch!! Ich hörte ja auch von anderer Stelle, wie heftig der Ritt war. Tolle Leistung. das soll euch erst mal jemend nachmachen. Würde jetzt (und die Betonung liegt auf jetzt!) gerne mit Euch tauschen und das süße Leben in der Karibik genießen. Aber, Ihr habt es Euch verdient. Ganz liebe Grüße und bis bald. bettina

  18. Jens says:

    Wow, na das war ja aufregend, Hut ab und gratuliere, ihr beiden, alles Liebe und geniesst die Sonne!

  19. hey Ihr zwei, schön, dass Ihr endlich in der Karibik seid. Mit eigenem Schiff!
    Und Kompliment für Eure Meisterprüfung auf hoher See, weit draussen auf dem Atlantik.
    Ich freue mich riesig für Euch. Ganz liebe Grüsse, Micha

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