Jetzt erst recht!

Morgen ist es so weit! Es geht los! 6000 Kilometer über den Atlantik. Die Wetterprognosen sind immer noch wenig motivierend: Wind aus Süd-Ost, also munter gegenan, und viel Regen. Der Großkreis, also die Nord-Route, hat sehr viel Wind mit z.T. stürmischen Böen und 5-7 Meter Welle von der Seite. Vor 3 Tagen war dieser Weg eigentlich noch unsere Präferenz. Aber selbst die großen Team mit 6, 8 oder 10 Crew-Mitgliedern fürchten diesen heftigen Ritt. Wir sind noch ambivalent und werden diese Entscheidung auf Sonntag vertagen. Da gibt es noch einiges abzuwägen.


Ready for the Atlantic!

Neben uns liegt eine Open 40 (das sind die mit den 30 Knoten Speed) und deren Skipper Andreas (mehrfacher Olympiateilnehmer, Volvo Ocean Race Skipper und ein extrem guter und cleverer Analytiker) ist so nett und macht jeden Morgen Wetter Rehearsals im kleinen Kreis. Dort diskutieren wir die aktuelle Wettersituation, die mittelfristigen Entwicklungen und die unterschiedlichen Routen-Optionen. Der Mann ist Gold wert! Hier tanken wir unser Know how für die richtige Navigation über den Atlantik. Wir werden täglich unsere Wetter Files runterladen und dann mit dem dazugelernten Wissen hoffentlich die richtigen Entscheidungen treffen. Nichtsdestotrotz versuchen wir, uns nicht verrückt zu machen, und planen nach wie vor konservativ mit 21 Tagen. Über jeden Tag schneller würden wir uns natürlich auch freuen.

Unser alter Freund Stephan Semmerling ist auch hier und wird mit seinem Team auf einer Farr wohl die Südroute nehmen. Die werden allerdings mit Spi und ähnlichem das Feld anführen. Stephan hat uns gestern noch ein paar wertvolle Tips für unsere Segel, Spibaum etc. gegeben. Man lernt ja nie aus.

Unsere Vorbereitungen laufen immer noch auf Hochtouren. Gestern habe ich nochmals den Motor überarbeitet, alle Filter gewechselt und gereinigt, Ölwechsel etc. Kerstin hat sich um die Staupläne und die Proviantierung gekümmert. Ca. 50 weitere Punkte auf unserer To Do Liste haben wir auch abgearbeitet. Die Arbeiten gingen bis in den späten Abend. Unsere Bordapotheke ist nun auch endlich aus dem Zoll gekommen. Bis auf eine Herztransplantation könnten wir nun auf alles bestens parieren. Sind aber auch froh, wenn wir sie nicht brauchen.

Heute geben wir auch wieder Vollgas. Und der Schlussspurt läuft. Heute Abend (es ist unser 11. Hochzeitstag) wirds nochmals in die Altstadt gehen, auf eine köstliche Paella (zusammen mit Kurzwellen Jörg und seinem smarten Mitarbeiter Niels und wohl noch ein paar weiteren Mitseglern). Morgen früh dann nochmal mit Andreas das Wetter durchgehen. Die Routenentscheidung treffen. Und dann gehts los.

Ach ja – und vergesst meine Headline von vor 2 Tagen “Die Spannung steigt”. Jetzt brodelt es hier richtig! Mittlerweile sind alle extrem nervös. Die Luft ist zum Zerreißen gespannt. “Lampenfieber” habe ich heute gehört. Das triffts wohl ganz gut. Und alle sind froh, dass es nun endlich losgeht. Wir auch! Aber aufgeregt sind wir – seit langem – auch mal wieder. Gut, dass uns die viele Arbeit ein wenig ablenkt! Wir haben kaum Zeit, über unser bevorstehendes Abenteuer nachzudenken. Und alle, die den Atlantik schon einmal überquert haben, sagen, dass es sowieso alles ganz anders kommt. Insofern bleiben wir einigermaßen gespannt und harren der Dinge.

Auf unserem Blog in der Rubrik “Route” werden wir täglich über Kurzwellenfunk unsere aktuelle Position auf der Karte aktualisieren. Insofern könnt ihr prima verfolgen, wo wir gerade sind.

Marine Traffic, was einige von euch nutzen, funktioniert da draussen nicht mehr. Zumindest nicht mit der Übertragung ins Netz. Übrigens haben wir unseren Schiffsnamen dort in “Trinity Berlin” geändert, damit man uns besser findet.

Ausserdem haben wir einen Satelliten Piep dabei, der alle 6 Stunden unsere Position an die Rennleitung und ins Internet überträgt. Da könnt ihr uns auch verfolgen: im Fleet Viewer auf der offiziellen ARC-Website: http://www.worldcruising.com/arc/viewer.aspx. Insofern sind wir immer bei euch. Und ihr hoffentlich auch mit uns! R

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One Response to Jetzt erst recht!

  1. Tina says:

    Puuuh… klingt heftig! Bin mit-aufgeregt… und ganz sicher werd ich bei Euch sein!

    Ich schätz mal, die Startverschiebung tut den Nerven auch nicht gerade gut, aber: Safety comes first, und das ist auch gut so! Ich drück Euch ganz fest die Daumen, dass es Dienstag dann jedenfalls wettertechnisch sehr viel besser aussieht, so dass es dann wirklich losgehen kann!

    Ganz liebe Grüße aus PI (hier ist’s heute den ganzen Tag schon neblig und kalt)…
    Tina

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