Atlantik Rodeo.

Was für ein Ritt! Wir sind seit mittlerweile 4 Tagen unterwegs. Nonstop. Tag und Nacht. An Backbord, ca. 120 Seemeilen entfernt, liegt Marokko. An Steuerbord der weite Ozean. Unter uns knappe 5.000 Meter Wasser. Und über uns die stürmischen Winde, die die kräftigen Wolken des Atlantiks vor sich her treiben. Da mitten drin befinden wir uns gerade. Trinity segelt seit Tagen mit 8-9 Knoten durch das dunkelblaue Wasser. Das ist anständig! Bei unseren Törnplanungen kalkulieren wir immer mit 5 Knoten. Das ist der Atlantik Faktor!

Hier gehts dann mal richtig zur Sache. Wir haben nach wie vor kräftiges, wasserfestes Segelzeug an, nachts zusätzlich Skiunterwäsche und Mütze. Feste Decksschuhe. Lifelines. Das volle Programm. Ein Schiff, was mit uns in Gibraltar gestartet ist, hat bereits – aufgrund dieser heftigen Bedingungen – sein extrem hochwertiges und teures Kevlar Vorsegel zerfetzt. Eine englische 82 Fuß Swan, die uns gestern in totaler Einsamkeit mitten auf dem Meer angefunkt hat, hatte auch bereits Probleme mit Rigg und Segeln und wollte, dass wir einen kurzen AIS Sicherheitscheck mit ihnen machen. Waren sonst ganz nette Jungs. Hatten es aber eilig. Müssen schon Ende November in Antigua/Karibik sein.

Die Winde drehen nun seit Tagen um uns rum. Wir haben bei noch mäßigeren Winden am Ende der Straße von Gibraltar unseren 180 qm Gennaker hochgezogen und sind da schon mit 9 bis 10 Knoten (knapp 20 km/h) durch die Wellen gepflügt. Auf dem Atlantik drehte der Wind immer weiter auf die Nase. In der letzten Nacht sind wir bei kräftigen Böen und querkommender Welle mit 40 Grad am Wind – also mit viel Wind von vorn – unterwegs gewesen. Wenn du da an deinem Steuer stehst, in eine absolut schwarze Nacht rauschst, die Logge 9 Knoten anzeigt und die massiven Wellen dein Boot immer wieder versetzen, ist es einerseits ein fantastisches Gefühl, die Endorphine durchströmen deinen Körper. Andererseits ist es ein Gefühl der Demut und des Respekts diesen Naturgewalten gegenüber. Eine schläfrige Nachtwache – wie auch schon vorgekommen – ist da jedenfalls nicht drin. Das heißt aufmerksam sein, schnell reagieren und viel Bewegung im Cockpit. Unsere Nachtruhe war dementsprechend wenig ruhig in diesen Nächten. Nachdem wir gestern Abend allerdings unsere Seekoje (da schläft immer der, der gerade keine Nachtwache hat) vom unteren, steuerbordseitigen Salon in den oberen Salon, der Backbord liegt, verlegt haben, konnten wir uns viel besser an der weich gepolsterten Salonbank einkeilen und somit war es die erste entspannte und gemütliche Nacht auf diesem Trip.

All over geniessen wir den Törn! Gerade fahren wir in den Sonnenuntergang. Gibraltar liegt bereits 700 Seemeilen hinter uns und 140 sm sind es noch bis Las Palmas. Der stetige Wind treibt uns gut voran. Gleich gibt’s köstliche Pasta mit Thunfisch – leider noch nicht selbst gefangen, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Anschließend einen starken Espresso und dann geht’s wieder in die Nachtwache. Auf zum nächsten Ritt. R

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2 Responses to Atlantik Rodeo.

  1. Michi Brock says:

    Holà guapos! Große Freude und Genuß, Eure Posts zu lesen …. mit Rodeo kenne ich mich aus, aber wilde Pferde dann doch eher mein Ding, als Wind und Wellen:-) Freu mich riesig, dass es Euch und Trinity gut geht und Euer AIS Tracking gehört mittlerweile zu meiner täglichen Espresso-Routine – I love it! besos de Berlin, yours Michi

  2. Tina says:

    Dem kann ich mich nur anschließen – AIS Tracking hatte ich noch gar nicht entdeckt…. lach… aber ab sofort gehört das auch zu meiner täglichen Espresso- (oder auch Vino-) Routine😉 Schön zu wissen, dass Ihr gut in Las Palmas angekommen seid – lasst es Euch gutgehen!
    Greetz from good old (and cold!!!) Germany!
    Tina

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